Prinzipien der Homöopathie:
Die Hauptprinzipien der klassischen Homöopathie sind:

1. Ähnlichkeitsgesetz
2. Lebenskraft
3. Individualisation
4. Arzneimittelprüfung
5. Potenzierung der Arzneimittel
6. Einzelmittel in kleinstmöglicher Dosis
7. Miasmenlehre

Ähnlichkeitsgesetz:
Das Ähnlichkeitsgesetz wurde von Hahnemann bei seinem Chinarinden-Selbstversuch
entdeckt und dann sechs Jahre lang durch Experimente an sich und seinen Familienmitgliedern mit weiteren Substanzen bestätigt, bevor er 1796 das Gesetz similia similibus curentur (ähnliches möge durch ähnliches geheilt werden) formulierte und veröffentlichte. Das Ähnlichkeitsgesetz besagt, dass eine Arznei, die zur Heilung eingesetzt werden soll, das gleiche Symptomenbild bei einem Gesunden hervorrufen muss (wenn es entsprechend häufig verabreicht wurde).

Hahnemann vergiftete sich absichtlich mit Chinarinde und führte damit die erste Arzneimittelprüfung der Homöopathie durch. Er notierte alle festgestellten Symptome. Später prüfte er viele weitere Substanzen (Tollkirsche, Eisenhut, Fingerhut, Kamille, Löwenzahn, ...) und schrieb auch hier alle festgestellten Symptome von Geist, Gemüt und Körper nieder.

 

Tollkirsche
 
Kamille
 
Löwenzahn
Eisenhut
 
Fingerhut
 

Er überlegte sich, dass Substanzen, die in der Lage sind einen Gesunden krank zu machen, umgekehrt auch in der Lage sein müssten, einen Kranken gesund zu machen (sofern der Kranke die Symptome zeigt, die die Arznei während der Prüfung am Gesunden hervorrief).

Lebenskraft:
Die Lebenskraft ist eine immaterielle Substanz, eine Energie, die alle Funktionsabläufe in uns steuert. Sie ist nicht mit Messinstrumenten nachzuweisen, sondern nur an ihren Wirkungen zu erkennen.

Eine starke Lebenskraft hält den Mensch in Harmonie; ein kalter Wind, ein Schreck, eine schlechte Nachricht oder Stress kann ihr nichts anhaben. Ist die Lebenskraft geschwächt, so wird dieser Zustand durch Symptome von aussen sichtbar.

Mehrere Symptome addieren sich letztendlich zu einer Krankheit im Sinne der Medizin. Aber diese Krankheit ist nicht als Summe der einzelnen Bausteine zu verstehen. Krank war zunächst der Mensch, dann hat seine geschwächte Lebenskraft begonnen, Symptome zu produzieren.

Die Lebenskraft wird geschwächt durch Ärger, Streit, Zorn, Widerspruch, Stress, Überbelastung, Sorge etc. Unter diesen Auslösern ist es Bakterien, Viren oder Pilzen möglich sich zu vermehren und weitere Symptome zu produzieren. Aber bereits vor ihrem Auftreten, das jetzt materiell nachweisbar ist, war der Mensch auf immaterieller Ebene erkrankt! Die Krankheit beginnt mit einer Störung der Lebenskraft, also auf immaterieller, spiritueller Ebene - folglich muss die Heilung auch auf dieser Ebene stattfinden. Daher setzt die Homöopathie potenzierte Arzneien ein.

Individualisation:
Die Individualisation verlangt von einem Homöopathen, dass er den Mensch als Individuum, als spezielle, einzigartige Persönlichkeit erfasst. Es gibt keine homöopathischen Universalmittel gegen Schmerzen, Durchfall, Bauchkrämpfe, Hysterie usw. Es muss nach  genauer Fallaufnahme ein Mittel für Herrn Schmerz, Frau Durchfall, Baby Bauchkrampf oder Fräulein Hysterie gefunden werden. Diese Erfassung des Menschen als einzigartiges Wesen ist das ganzheitliche Fundament, auf dem die Homöopathie basiert.

Hahnemann sagte, dass der Mensch und nicht die Krankheit behandelt werden muss.

Arzneimittelprüfung:
Sie stellt eine kontrollierte Vergiftung mit einer Testsubstanz dar und eröffnet dem Homöopathen das vollständige Wesen einer Arznei. Dazu führt eine Gruppe von Prüflingen einen Selbstversuch mit einer ihnen unbekannten Substanz durch. Alle Symptome werden protokolliert. Nach Abschluss der Prüfung - die über Monate dauert - werden alle Protokolle ausgewertet und auf Gemeinsamkeiten geprüft. Es entsteht eine Symptomensammlung, die nach bestimmten Kriterien geordnet wird. Grösste Bedeutung haben die sogenannten Geistes- und Gemütssymptome, da sie Aufschluss über die Individualität geben.

Die Homöopathie lehnt Tierversuche ab, weil die wichtigen Geistes- und Gemütssymptome von Tieren nicht zum Ausdruck gebracht werden können. Die Arzneimittelprüfung darf nur an gesunden Menschen durchgeführt werden, damit eine Vermischung von bestehenden Krankheitssymptomen und Arznei-Symptomen verhindert wird.

prinzipien_6.jpg [5 KB]Als Arzneien kennt die Homöopathie Substanzen aus dem Pflanzenreich (Aconitum, Arnika, Belladonna, Thuja, ...) dem Tierreich (Apis, Bufo, Cantharis, Lachesis, Moschus, …) aus Mineralien (Kalium, Magnesium, Natrium, Phosphor, Silicea, …), aus Metallen (Aurum, Argentum, Mercurius, Platinum, …) und aus Nosoden (Produkte von Krankheiten [Mensch, Tier, Pflanze]: Carcinosin, Medorrhinum, Psorinum, Secale, Tuberculinum, ...).

 

Arnika
 
Thuja
 
Aurum
 
Silicea
 
Lachesis
 

Potenzierung:
Die Potenzierung wurde von Hahnemann eingeführt, um die Giftwirkung herabzusetzen; er bezeichnete diesen Schritt als Verdünnung. Durch die Verdünnung und Verschüttelung des Ausgangsproduktes entsteht eine dynamische Arznei.

Einer Arznei wird mit jedem Verdünnungsschritt ein Teil des Ausgangsstoffes (z.B. Tollkirsche) weggenommen, aber mit jeder Verschüttelung Energie zugeführt. Eine materielle Wirkung geht verloren, eine dynamische Wirkung wird gewonnen. Da die Störung bei der immateriellen Lebenskraft begann, kann die Heilung nur durch immaterielle Arzneien, wie sie durch Hahnemann eingeführt wurden, erreicht werden. Man unterscheidet D-, C- und Q- Potenzen. Der Buchstabe steht für den Verdünnungsgrad pro Potenzierungsschritt.

(z.B.: D = 10(dezi):
1 Teil Auszugssubstanz (Urtinktur) wird mit 9 Teilen Trägerlösung (arzneilicher
Alkohol) vermischt und 10 mal verschüttelt. Es entsteht die Potenz D1.
1 Teil Ausgangssubstanz D1 + 9 Teile Trägerlösung und 10 mal verschütteln ergibt
D2 usw.
C = 100 (centi)
Statt 1:9 wie bei den D-Potenzen wird hier 1 Teil Urtinktur mit 99 Teilen Trägerlösung verdünnt und verschüttelt.
Q = 50.000
Verdünnung ist 1:49.999)

Durch diese Methode gelang es Hahnemann die giftigsten Substanzen wie Arsen, Quecksilber, Strychnin etc. als Heilmittel zu nutzen.

Einzelmittel / kleinstmögliche Dosis:
Klassische Homöopathie setzt nur Einzelmittel ein. Das Ähnlichkeitsgesetz verlangt, dass das Ähnlichste aller Mittel eingesetzt wird.

Steht der Homöopath am Schluss der Fallaufnahme vor dem Entscheid zwischen mehreren Mitteln, so muss er zwischen diesen in Frage kommenden Einzelmitteln klar differenzieren, welches für diesen Menschen das beste - das ähnlichste Mittel ist.

Die Gabe mehrerer Mittel in einer Arznei (Komplexmittel) ist eine Art Schrotschussmethode - getreu dem Motto „Eines davon wird schon treffen”. Die Lebenskraft benötigt nur einen energetischen Impuls; mehrere gleichzeitige Impulse schaffen lediglich Verwirrung. Wenn wir beispielsweise fünf oder sechs Dinge gleichzeitig zu erledigen haben, entscheiden wir uns und fangen mit einer Sache an. Beginnen wir mit mehreren Dingen gleichzeitig entsteht ein Chaos.

Ähnlich ist es mit der homöopathischen Arznei. Ein Mittel, ein Entscheid, ein Impuls für die Lebenskraft - und dann muss abgewartet werden wie sich die Symptome entwickeln. Eine frühzeitige Gabe einer neuen Arznei stiftet nur Unruhe; die Kunst nach einem gut gewählten Mittel beobachtend abzuwarten, erfordert viel Übung und ein tiefes Verständnis von den Gesetzmässigkeiten der Homöopathie.

Miasmen:
Dieser Begriff wurde von Hahnemann aus dem Griechischen entliehen und bedeutet
Befleckung oder Schandfleck.

Durch seine Tätigkeit als Arzt wurde ihm bewusst, dass es bei schulmedizinischen
Behandlungen lediglich zu Verschiebungen bzw. Krankheitsänderungen, aber nie zu
Heilungen im Sinne der Homöopathie kam.

Daraufhin wandte er sich von seinem mühsam erkämpften Arztberuf ab und entdeckte bei Übersetzungsarbeiten die Homöopathie, indem er das Ähnlichkeitsgesetz - similia similibus curentur - erkannte.

Nach anfänglichen Erfolgen in der Behandlung vermeintlich akuter Krankheitszustände beobachtete er, dass es zu ähnlichen Verschiebungen kam, die ihn Jahre zuvor aus dem Arztberuf getrieben hatten. 12 Jahre lang beobachtete und erforschte Hahnemann die Krankengeschichten seiner Patienten unter Berücksichtigung, der in den Familien auftretenden Krankheiten.

Während seiner mühevollen Arbeit bei nächtlichem Kerzenlicht erkannte er, dass es eine tiefe immaterielle, also fundamentale Schwäche gibt, die sich hinter allen Krankheiten verbirgt.

Damit hatte er das Grundprinzip der Miasmenlehre entdeckt!

Hahnemann sah, dass es einen inneren Zusammenhang zwischen den scheinbar zufällig auftretenden Krankheiten gibt. Aus dieser Erkenntnis entsprangen die chronischen Miasmen, die er Psora, Sykose und Syphilinie nannte.

Clarke stellte später fest, dass sich die Kombination von psorischem und syphilitischem Miasma zur Pseudo-Psora (später tuberkulares Miasma / Tuberculinie) vereint.

Hahnemann zeigte die Verbindung von Krätze zur Psora; von unterdrücktem Tripper zur Sykose und von unterdrückter Syphilis zur Syphilinie auf. Clarke folgte diesem Ansatz und stellte die Verbindung von unterdrückter Tuberkulose zur Tuberkulinie her.

Die Fingerabdrücke des Miasmas sind als Meilensteine der persönlichen Krankengeschichte zu erkennen. Der Verlauf dieser Reise einer Krankheit durch den menschlichen Körper läuft den Hering`schen Heilungsregeln entgegengesetzt - also von aussen nach innen bzw. von unten nach oben.

 

Stefan Bauer

dipl. Homöopath SHI + hfnh
kantonal approbiert
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